Landwirtschaft braucht kluges Wassermanagement
Dürreperioden und Starkregen stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen - ein Thema das auch in unserer Region immer größere Bedeutung erlangt.
Wissenschaft und Praxis zeigen, wie Betriebe widerstandsfähiger werden können - hier zwei Beispiele:
- Das Handbuch des Ecologic Instituts bietet praxistaugliche Maßnahmen für besseren Wasserrückhalt, Bodenschutz und Biodiversität
- Das NetzwerkWasserAgri setzt mit Methoden wie Keyline Design und Agroforstsystemen innovative Ansätze direkt auf den Feldern um.
1. Handlungspotenziale identifiziert vom Ecologic Institut
Das Ecologic Institut veröffentlichte 2024 gemeinsam mit dem WWF ein umfassendes „Handbuch landwirtschaftlicher Maßnahmen zur Erhöhung des Wasserrückhalts, der Wasserqualität und der Biodiversität“. Diese Publikation bietet einen praxisorientierten Werkzeugkasten für landwirtschaftliche Betriebe – mit konkreten Maßnahmen, Einschätzungen von Kosten, Wirkung, Biodiversitätsnutzen sowie Umsetzungszeiträumen:
Viele Maßnahmen sind kostengünstig umsetzbar und zeigen kurzfristig positive Effekte auf Wasserrückhalt, Grundwasserneubildung, Erosionsschutz und Biodiversität
Der Fokus liegt auf zehn ausgewählten Maßnahmen, die auf dem Feld oder Schlag direkt anwendbar sind, und zugleich landesweit relevant bleiben.
Das Handbuch unterstützt eine abwägende Umsetzung, bei der Nutzen, Kosten, potenzielle Zielkonflikte und Umsetzungsszenarien transparent dargestellt werden.
Weitere Dialogpläne des Ecologic Instituts betonen:
- Die Bedeutung einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Landschaftswasserhaushalts, um Agrarökosysteme resistenter gegenüber Dürren und Extremereignissen zu machen.
- Der erfolgreiche Einsatz verschiedener naturbasierter, technischer und Bewirtschaftungsmaßnahmen, die lokal angepasst und integriert in umfassende Strategien wie „Schwamm‑Landschaften“ erfolgen sollten.
- Die Notwendigkeit einer neuen Governance, etwa durch regionale Wasserbeiräte oder sektorübergreifende Zusammenarbeit, um Wasserrahmenrichtlinie und Hochwasserrisikomanagement effektiv zu verknüpfen.
2. Praxisansatz: NetzwerkWasserAgri und Keyline Design
Die Initiative NetzwerkWasserAgri – ein Zusammenschluss von Landwirt*innen, Gartenbetrieben und Naturschutzakteuren – fördert innovative Wasserrückhalt-Methoden in der Landwirtschaft.
Zentrale Maßnahmen:
Keyline Design: Eine Methode zur Gelände- und Pflanzgestaltung, die Niederschlagswasser gezielt verteilt, versickert und speichert – etwa durch Gräben entlang der Geländekontur, Agroforststreifen oder kleine Speicherbecken.
Agroforstsysteme: Integration von Gehölzen in Ackerflächen zur Förderung der Grundwasserneubildung und Erhöhung der Landschaftsresilienz.
Praxisbeispiele in Deutschland / Brandenburg:
Auf dem Waldpferdehof bei Müncheberg wurde Keyline Design umgesetzt, inklusive Gehölzpflanzungen (z. B. Walnuss-, Hasel- und Esskastanienreihen), Mulden, Wällen – ergänzt durch Agroforstelemente und Hühner im Mobilstall zur Schädlingskontrolle.)
Dieses Projekt wurde als „Projekt des Monats“ im September 2022 vom ELER Brandenburg ausgezeichnet, unterstützt durch zwölf Kooperationspartner aus Landwirtschaft, Baumschule und Naturschutz.
3. Synergie – Wissenschaft trifft Praxis
Die Kombination aus wissenschaftlich fundierten Werkzeugen (Handbuch, Studien des Ecologic Instituts) und praxisnahen Ansätzen (Keyline Design, Agroforst, Wissenstransfer durch NetzwerkWasserAgri) ergibt ein klares Gesamtkonzept:
Wissenschaft liefert belastbare Analysen, Tools und Governance-Empfehlungen.
Praxisprojekte demonstrieren Umsetzungsmöglichkeiten, akquirieren Sichtbarkeit und fördern den Lern- und Austauschprozess – insbesondere über Projektsteckbriefe, Filme und Veranstaltungen.
Beide Initiativen zeigen: Mit gezielten Strategien lässt sich Wasser in der Landschaft halten, die Erträge stabilisieren und die Natur stärken.
👉 Mehr Infos und Praxisbeispiele findet ihr hier:
ecologic.eu
https://www.wasser-retention.de/